Achtung Kiesbrüter! Brutplätze seltener Vogelarten im oberen Isartal wieder gesperrt
Maria Sabbas-Scouras
Mit dem Beginn des Frühjahrs zieht es bei schönem Wetter viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger sowie Sporttreibende in die Naherholungsgebiete. Dabei gelangen sie teilweise auch in sensible Rückzugs- und Fortpflanzungsräume geschützter Tierarten. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises München bittet deshalb insbesondere in den kommenden Wochen um erhöhte Rücksichtnahme. Dies gilt vor allem für das Isartal, eines der meistgenutzten Naherholungsgebiete in Stadt und Landkreis München. Aufgrund seiner naturnahen Strukturen bietet der Talraum Lebensraum für zahlreiche seltene Arten.
Zum Schutz der besonders störungsempfindlichen Vogelarten Flussuferläufer und Flussregenpfeifer wurden geeignete Brutplätze zwischen Kloster Schäftlarn und Buchenhain mit Schildern sowie teilweise mit Absperrleinen gekennzeichnet. Für diese Bereiche gilt vom 15. März bis zum 10. August ein absolutes Betretungsverbot.
Stark bedrohte Vogelarten
Noch bis ins 19. Jahrhundert kennzeichneten ausgedehnte Schotter- und Sandbänke die Isarauen, die durch häufige Hochwasser ständig ihre Form, Ausdehnung und Lage veränderten. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten haben sich an die breiten, vegetationsarmen Kiesbänke und -inseln angepasst und finden dort Fortpflanzungs- und Lebensräume. Dazu zählen auch kiesbrütende Vogelarten wie Flussregenpfeifer und Flussuferläufer, die auf dem grobkörnigen Substrat der ungezähmten, vielarmigen Isar früher zahlreiche Brutplätze fanden.
Seit dem Ausbau und der Begradigung des Flusslaufs sowie dem Bau von Kraftwerken hat sich das Bild verändert. Nur noch wenige Schotterflächen blieben erhalten, die durch verminderte Hochwasserereignisse zudem rasch verbuschen. Die auf offene Flussauen spezialisierten Arten verloren große Teile ihrer angestammten Lebensräume.
Heute besteht ein großes Bewusstsein für den Wert naturnaher Wildflussauen für Biodiversität und Erholung. Seit Ende der 1980er Jahre wird der Isar abschnittsweise wieder mehr Raum gegeben. Trotz dieser Maßnahmen sind die einst zahlreich vorhandenen Brutplätze von Flussuferläufer und Flussregenpfeifer weiterhin äußerst selten. Zudem geraten die wenigen verbliebenen Brutplätze durch ungelenkte Erholungsnutzung in Gefahr. Der Flussuferläufer reagiert besonders empfindlich auf Störungen und flüchtet häufig bereits, wenn sich Menschen dem Brutplatz auf weniger als 100 Meter nähern. Die gut getarnten Gelege beider Arten sind auf dem kiesigen Untergrund kaum zu erkennen und werden leicht zertreten. Wie angespannt die Lage vor allem für den Flussuferläufer ist, zeigen die Ergebnisse der jüngsten bayernweiten Bestandserfassung. Lag der Bestand im Jahr 2012 bei rund 150 Brutpaaren, ist er innerhalb von etwa zehn Jahren bis 2022 auf weniger als 100 Paare zurückgegangen. Die Isar stellt dabei das wichtigste verbliebene Brutgebiet in Bayern dar. Können die Brutplätze nicht wirksam geschützt werden, droht das Verschwinden dieser charakteristischen Art der bayerischen Wildflusslandschaften.
Auch vom Flussregenpfeifer gibt es in Bayern nur noch rund 1.000 Paare. Da die Art im Gegensatz zum Flussuferläufer auch auf vom Menschen geschaffenen Kiesflächen abseits von Flüssen und Bächen, etwa in Kiesgruben brütet, ist ihre Situation weniger kritisch.
Schutzmaßnahmen und Regelungen unverzichtbar
Die intensive Freizeitnutzung auf den Kiesbänken der Isar durch Badegäste und Spaziergänger sowie das Anlanden von Bootsfahrern stellen eine besondere Gefährdung dar. Um eine erfolgreiche Brut zu ermöglichen, werden die Brutbereiche im Zeitraum vom 15. März bis zum 10. August mit gelben Hinweisschildern und Markierungsbändern gekennzeichnet. Die abgesperrten Brutplätze dürfen weder von Land noch von der Wasserseite aus betreten werden. Entlang des Flusslaufs stehen ausreichend unkritische Bereiche für die Erholungsnutzung zur Verfügung. Auch freilaufende Hunde stellen eine Gefährdung dar und sind daher von den gesperrten Zonen fernzuhalten. Das Feuermachen und Grillen ist außerhalb der ausgewiesenen Bereiche grundsätzlich verboten.
Für den Erhalt dieser seltenen Vogelarten der heimischen Wildflusslandschaften zählt jeder einzelne Brutplatz. Das Landratsamt München bittet daher alle Besucherinnen und Besucher, die Absperrungen zu beachten und weist darauf hin, dass bei Verstößen gegen das Betretungsverbot Geldbußen ausgesprochen werden können.
Weitere Informationen zum Thema Kiesbrüter und Isar erhalten Interessierte beim Landratsamt München unter der Telefonnummer 089 6221 2637 oder per E-Mail an naturschutz@lra-m.bayern.de sowie unter www.kiesbrueter.de. Die verlinkte Seite ist Teil des Artenhilfsprogramms Kiesbrüter für kiesbrütende Vogelarten an Bayerns Flüssen.
Quelle: Landratsamt München (Stand 30.03.2026)
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